Standortspezifisch, Global & Science-Based Sonderpreis: Melitta Group

Quelle: Melitta Group

Die Melitta Group zeigt vorbildhaft, wie die Transformation der Lieferkette bei einem klassisch orientierten Unternehmen gelingen kann, das über Jahrzehnte hinweg globale Handelsbeziehungen aufgebaut hat und in verschiedenen Branchen tätig ist.
 

Der Erhalt der Artenvielfalt ist bereits seit Jahren ein Thema für die Melitta Group, das mit holistischen Maßnahmen angegangen wird. Aktuell hat der Konzern in Zusammenarbeit mit Kuyua einen umfassenden, KI-gestützten Analyse- und Aktionsplan vorgelegt. Dabei werden alle eigenen sowie die Standorte aller unmittelbaren Lieferanten auf Biodiversitätsrisiken geprüft und bei den Standorten mit hohem Risiko genauere Analysen sowie entsprechende Programme zur Abhilfe eingeleitet.

Weiterführende Informationen: Nachhaltigkeit (melitta-group.com).

Interview Melitta Group

Was hat Sie dazu bewegt, Biodiversität in Ihre Unternehmensstrategie zu integrieren? Gab es ein auslösendes Ereignis?

Die Melitta Gruppe bekennt sich zu einer ganzheitlichen nachhaltigen Transformation. Biodiversität ist dabei wie der Klimawandel eine Querschnittaufgabe, die fast alle Tätigkeitsbereiche unseres Unternehmens umfasst, sowohl im eigenen Geschäftsbereich als auch in den vor- und nachgelagerten Lieferketten. 
Im Hinblick auf unsere eigenen Standorte und ihr Umfeld haben wir bereits seit vielen Jahren verschiedene Maßnahmen zur Erhaltung der Artenvielfalt umgesetzt. Mit Blick auf unsere Lieferketten sind insbesondere die Sortimentsbereiche Kaffee und Papier/Zellstoffen besonders relevant, da der Erhalt bzw. die Regeneration der Biodiversität in den Anbaugebieten mittel- und langfristig Voraussetzung für wirtschaftlichen Anbau sind. Ein weiterer Anstoß kommt aus dem Sortimentsbereich Haushaltsprodukte, in dem viele der Produkte aus Kunststoffen bestehen. Vor dem Hintergrund der globalen Herausforderungen durch Mikro- und Meeresplastik sehen wir uns auch hier in der Verantwortung, einen Beitrag zur Lösung zu leisten. 

 

Wie würden Sie Ihre Biodiversitätsstrategie beschreiben? Was sind für Sie die wesentlichen Elemente? 

Die Melitta Gruppe hat das Ziel 100% regenerativen Wirtschaftens. Dabei verfolgen wir einen inkrementellen Ansatz: Was wir durch die Produktanforderungen beeinflussen können, integrieren wir in die jeweiligen Spezifikationen, um so Standards auch zur Biodiversität im Anbau bzw. bei der Produktion in den Lieferketten umzusetzen.  Als ein Beispiel seien die FSC®-zertifizierten Zellstoffe genannt, die wir u.a. für unsere Kaffeefilter einsetzen. Im nächsten Schritt optimieren wir systematisch unsere Produktionsprozesse, um negative Umweltauswirkungen vor Ort zu vermeiden. So führen wir das Wasser in unseren Papierfabriken im Kreislauf und reinigen dieses ggf. vor der Entsorgung in die Kanalisation. 
Aktuell analysieren wir gemeinsam mit Kuyua alle eigenen sowie die Standorte aller unmittelbaren Lieferanten auf Biodiversitätsrisiken und leiten bei den Standorten mit (sehr) hohem Risiko genauere Analysen sowie ggf. entsprechende Programme zur Abhilfe ab.
Im nächsten Schritt gehen wir in die mit hohem Risiko behafteten Wertschöpfungsketten und erarbeiten mit anderen Akteuren des jeweiligen Sektors Programme zum regenerativen und damit Biodiversitätserhaltenden bzw. wiederaufbauenden Wirtschaften. Im Kaffeesektor tun wir dies bereits über die Global Coffee Platform durch die Förderung von Nachhaltigkeitsstandards und Unterstützung nationaler Strategien für nachhaltigen Kaffeeanbau. 

 

Was sind Schlüsselelemente, um Biodiversität erfolgreich in Ihrem Unternehmen zu implementieren? 

Aus den unter 2. beschriebenen strategischen Maßnahmen leiten sich folgende Schlüsselelemente ab: 

  • Systematische Weiterentwicklung und Umsetzung von biodiversitätsbezogenen Produktspezifikationen (Weitere)
  • Integration von Biodiversitäts- und Kreislaufwirtschaftskriterien in unsere standortbezogenen Maßnahmen zu Produktionsökologie und Standortmanagement 
  •  Analyse der Standorte unserer unmittelbaren Lieferanten zu Biodiversitätsrisiken und ggf. Ableitung von warengruppen- bzw. lieferantenbezogenen Programmen zur Lieferantenentwicklung, inkl. strategischer Partnerschaften 
  • Kontinuierliche Ausweitung unseres Engagements in den jeweiligen Sektoren und deren Zusammenschlüssen zur Förderung der sektorweiten Integration regenerativen Wirtschaftens in die Wertschöpfung

 


Wie sehen Sie das Thema Biodiversität in Ihrem Unternehmen in den kommenden 10 Jahren? 

In zehn Jahren werden wir entlang der oben beschriebenen strategischen Roadmap systematisch Biodiversität in unser Handeln und das unserer Lieferanten integriert haben sowie einen Beitrag zu dieser Integration in den wesentlichen Sektoren geliefert haben. Idealerweise entspricht dann regeneratives und damit biodiversitätserhaltendes bzw. -wiederaufbauendes Wirtschaften dem jeweils üblichen Standard guten unternehmerischen Handelns. 

 

Was liegt Ihnen persönlich beim Thema Biodiversität besonders am Herzen? 

Uns ist bewusst, das Biodiversität Voraussetzung für eine lebenswerte Zukunft ist. Wer jemals Flora und Fauna auf einer regenerativ arbeitenden Kaffeefarm im Gegensatz zu einer konventionell arbeitenden Farm erlebt hat, weiß auch um die Bedeutung für das Umfeld und die Lebensqualität vor Ort. 


Stefan Dierks, Director Sustainability Strategy
Sarah Brinkmann, Head of Sustainability Strategy